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Montag, 30. März 2015

Martin Zapfe: Zerfall der Staatenordnung im syrisch-irakischen Krisenbogen. Das Machtgefüge im Nahen und Mittleren Osten löst sich auf

"2015 sind Syrien und der Irak nun Schauplatz eines einzigen, grenzübergreifenden Krieges mit vielen unübersichtlichen Fronten, Akteuren und Kriegszielen. Zu Beginn der Präsidentschaft Barack Obamas bürgerte sich ein, Afghanistan und Pakistan als Schauplatz eines einzigen Konflikts mit der Wortschöpfung 'Afpak' zu bezeichnen. Analog hilft es zum Verständnis des Nahen und Mittleren Ostens, von einem Kriegsgebiet 'Syrak' zu sprechen."

Quelle: Neue Zürcher Zeitung, 30. März 2015 (Nr. 74, 236. Jg.), S. 6.

Roman Bucheli: Die Rückeroberung des Ich. Wie der Selfie-Stick als verlängerter Arm die Optimierung des Selvstbildes unterstützt.

"Roland Barthes konnte in der Fotografie noch 'das Auftreten meiner selbst als eines anderen' beobachten. Es finde dabei 'eine durchtriebene Dissoziation des Bewusstseins von Identität' statt, notierte er in seinem Buch 'Die helle Kammer'. Davon ist gerade noch eine fahle Parodie geblieben, und die 'durchtriebene Dissoziation' wird in ihr Gegenteil gewendet: Das 'Bewusstsein von Identität' holt sich mit dem Gestänge seine ebenso schamlos sichtbare wie robuste Armierung. Dieses Ich braucht noch nicht einmal mehr auf der Strasse einen Passanten anzusprechen, um sich in Pose fotografieren zu lassen. Mit dem Auslöser im Sack und der Kamera auf der Stange kann jeder Lebensaugenblick und können selbst ganze Sequenzen nach eigener Massgabe und jederzeit fotografisch oder filmisch dokumentiert und für die eigene kleine Ewigkeit fixiert werden."

Quelle: http://www.nzz.ch/feuilleton/die-rueckeroberung-des-ich-1.18511504

Samstag, 28. März 2015

Luke March: Beyond Syriza and Podemos, other radical left parties are threatening to break into the mainstream of European politics

O"Even some of the larger, more established parties such as the German Die Linke and Dutch Socialist Party have struggled to increase their perspectives during the crisis. Gradual moderation to offer governing perspectives has often risked disappointing more radical supporters while failing to fully convince new voters and coalition partners that they mean business, while the business community itself often weighs in heavily against the radical left and their supposedly obsolete, 'extreme' or 'far left' policies. At the same time the radical right often benefits more than the radical left, mainly because they are more ideologically flexible than the left an can appropriate left-wing arguments (defence of the welfare state, protection of workers) while the left often struggles to come up with a popular response to right-wing arguments. Repugnant though anti-immigration sentiment is, it can be electorally dynamic in a way that international solidarity is not."

Quelle: http://blogs.lse.ac.uk/europpblog/2015/03/24/beyond-syriza-and-podemos-other-radical-left-parties-are-threatening-to-break-into-the-mainstream-of-european-politics/

Daniel Steinvorth: Auf den Spuren des "Kalifats". Herausforderung IS

"Mit der besonderen Entstehubgsgeschichte des IS, vor allem mit den Biografien des Gründers Abu Musab al-Zarkawi und des heutigen IS-Chefs Abu Bakr al-Baghdadi, hat sich der deutsche Islamwissenschafter Guido Steinberg (Kalifat des Schreckens. Knaur TB, München 2015. 208 S.; SR) beschäftigt. In seinem Buch mit dem etwas reisserischen Titel 'Kalifat des Schreckens' zeichnet er präzis den bis 2014 wenig beachteten Aufstieg der Jihadisten nach. Als Wegmarken seien dabei genannt die fatale Irak-Offensive der Amerikaner, der darauffolgende Bürgerkrieg - der dem fanatischen Schiitenhasser Zarkawi ein ideales Schlachtfeld bot - sowie der Staatszerfall und das sich hieraus ergebende Machtvakuum in Syrien und im Irak."

Quelle: http://www.nzz.ch/international/politische-literatur/auf-den-spuren-des-kalifats-1.18509861

Wolfgang Taus: Die NSA als Religion. Datenhunger ohne Grenzen

"Damit scheint die NSA an den demokratischen Grundfesten des Rechtsstaates zu rütteln. Aus Demokratie wird schrittweise eine Überwachungsdemokratie - im Namen einer angebluchen 'Demokratieoptimierung'. Damit scheine, historisch gesehen, der moderne demokratische Rechtsstaat zurückzufallen auf die Stufe einer altindischen Monarchie im 4. Jh. n. Chr. mit ihrem Theoretiker Kautilya. In seinem Staatsmodell war der Mensch nicht von sich aus ein staatsteagendes Wesen, sondern bedurfte ständiger Gängelung und Überwachung. Jeder Bürger war potenzieller Staatsfeind. Im Reich des Bösen seien die Bösen stets die anderen, betont der Autor (Bernhard H. F. Taureck: Überwachubgsdemokratie. Die NSA als Religion. W.-Fink-Verlag, Paderborn 2014. 103 S.; SR)."

Quelle: http://www.nzz.ch/international/politische-literatur/die-nsa-als-religion-1.18510176

Stefan Betschon: Googles Geheimnisse

"Die Wissenschaftlichkeit von (Robert; SR) Epsteins Studien ist nicht über alle Zweifel erhaben. Doch der Verdacht, dass eine Firma, die die Informationsvermittlung im Internet kontrolliert, einen grossen Einfluss auf die politische Meinungsbildung besitzt, ist nicht von der Hand zu weisen. Deshalb diskutieren jetzt deutsche Politiker 'Transparenzverpflichtungen für meinungsrelevante Algorithmen'. Google soll die 'geheime Formel seiner Suchmaschine' ('Spiegel'), die 'Suchformel' ('Bild') offenlegen."

Quelle: Neue Zürcher Zeitung, 26. März 2015 (Nr. 71, 236. Jg.), S. 34.

Andrea Spalinger: Ein Leben ohne Perspektive. Kibrom Tefamihret hatte einst grosse Hoffnungen - nun steckt der Eritreer in Italien fest, wo es weder Jobs noch Hilfe für Flüchtlinge gibt

"Eritrea ist ein autoritärer Staat, der Andersdenkende verfolgt und Bürger zu jahrelangem Militärdienst zwingt. Flüchtlinge aus dem ostafrikanischen Land erhalten überall in Europa humanitäre Aufnahme oder Asyl. Er habe damals leider keine Ahnung von 'Dublin' gehabt, erklärt Tesfamihret. Mittlerweile seien die Flüchtlinge besser informiert. Eritreer versuchten, nach der Ankunft unterzutauchen und weiterzureisen."

Quelle: http://www.nzz.ch/international/europa/der-eritreer-kibrom-tesfamihret-ist-nach-seiner-flucht-in-rom-auf-der-strasse-gelandet-1.18509382

Ulrich Schmid: Empfindliche Potentaten. In Kuwait sind Sicherheitskräfte gewaltsam gegen Kritiker des Emirs vorgegangen. Dieser soll sich, wie andere Golfherrscher auch, beleidigt gefühlt haben.

"Demonstriert wurde für die Freilassung des Oppisitionsführers Mussallam al-Barrak, der 2014 festgenommen und wegen Beleidigung des Emirs von Kuwait zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden war. 'Beleidigung', rechtlich extrem lax definiert, ist in den meisten Golfstaaten ein schweres Verbrechen und kann mit Leichtigkeit gegen politische Gegner eingesetzt werden. Bestraft wird in Kuwait auch die Beleidigung ausländischer Herrscher: Der 26-jährige Satiriker Muhammad al-Ajmi etwa wurde nach eigenen Angaben mehrfach festgesetzt und verhört, weil er einen Tweed gepostet hatte, in dem er das saudische Königshaus beleidigt und das (in Riad offenbar als positiv eingestufte) Menschenrechtsimage des Landes brschädigt haben soll."

Quelle: http://www.nzz.ch/international/naher-osten-und-nordafrika/empfindliche-potentaten-1.18509336

Donnerstag, 26. März 2015

Peter Hornung: Datenleck bei Bertelsmann-Tochter Infoscore

"Infoscore hat nach eigenen Angaben von 7,8 Millionen Verbrauchern Daten, die auf finanzielle Schwierigkeiten hinweisen: von Mahnbescheiden über erfolglose Pfändungen bis hin zu Haftbefehlen für hartnäckige Schuldner. All das konnte man auch über das Mieterportal erfahren."

Quelle: http://www.ndr.de/info/programm/Datenleck-bei-Bertelsmann-Tochter-Infoscore,datenschutz364.html

Enver Robelli: Hetze gegen eine halbe Million Menschen. Mit Klischees ist der Balkan nicht zu erklären. Ein Stück Schweizer Geschichte zeigt, weshalb.

"Die Schweiz hat nicht die falschen Ausländer rekrutiert, wie rechtsnationale Kreise behaupten, sondern mit einer falschen Migrationspolitik das Problem verschärft. Dennoch: Die Integration der Menschen aus dem Balkan verläuft schneller als jene der Italiener vor 30 oder 40 Jahren. Davon zeugen nicht nur Baufirmen, Malergeschäfte und Restaurants, die hierzulande von Menschen aus dem Balkan gegründet, geöffnet oder geleitet werden. Davon zeugen auch immer mehr Jungpolitiker und gut ausgebildete Handwerker. Sie sind ein Teil der Schweiz. Und sie werden hier bleiben."

Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/leben/gesellschaft/Hetze-gegen-eine-halbe-Million-Menschen/story/10311804

Dienstag, 24. März 2015

Rainer Stadler: Griechischer Salat

"Und nun? Hat Varoufakis etwas erreicht? Volksvertreter und Minister müssen sich für ihr Land einsetzen. Doch am Schluss zählt das Resultat, nicht der tolle Tanz auf der Medienbühne. Das Affentheater um einen exponierten Mittelfinger des Griechen mündete in der vergangenen Woche in ein Massaker an allen Beteiligten. Auslöser war Günther Jauch, der in seiner Talkshow Effekthascherei betrieb, indem er einen Videomitschnitt von Varoufakis’ Skandalfinger aus dem Zusammenhang riss. Der Finanzminister sprach darauf von einer Fälschung. Der ZDF-Satiriker Jan Böhmermann wiederum inszenierte sich als angeblicher Fälscher der Videoszene. Zahlreiche Zeitgenossen fielen darauf herein, und Varoufakis sah sich in seinem Vorwurf bestätigt, bis das ZDF den Fall auflöste. Ein formidabler Trick, um die Einschaltquote zu erhöhen. Und was für eine Blamage. Journalisten wissen, dass der Einsatz von Ironie heikel ist, weil flüchtige Konsumenten den doppelten Boden einer Botschaft oft nicht wahrnehmen. Umso peinlicher, wenn es nun die engere Gemeinde nicht merkte. Die sekundenschnelle Dauerkommunikation treibt selbst manchen medial Gestählten in die Besinnungslosigkeit."

Quelle: http://medienblog.blog.nzz.ch/2015/03/24/griechischer-salat/

Mein Blog befasst sich in einem umfassenden Sinn mit dem Verhältnis von Wissen, Wissenschaft und Gesellschaft. Ein besonderes Augenmerk richte ich dabei auf die Aktivitäten des Medien- und Dienstleistungskonzern Bertelsmann und der Bertelsmann Stiftung.

Wolfgang Sofsky: Die Wunder der Illusion. Karl Heinz Bohrer versucht die Künste vor kunstfremden Übergriffen zu retten

"Bohrers Gewährsleute sind nicht unbekannt: Novalis, Brentano, Baudelaire, Nietzsche, Bataille oder auch Heinrich von Kleist, dessen «Michael Kohlhaas» er nicht als Lehrstück über die fatalen Folgen des moralischen Rigorismus liest, sondern als Exemplum «imaginativer Intensität». Der «gottverdammte, entsetzliche» Mordbrenner stürzt im Kleistschen Text von Augenblick zu Augenblick. Er erbleicht, errötet, gerät ausser sich, bewegt sich knapp vor dem Abgrund. Doch was Bohrer als Schreibweise eines rätselhaften Ausnahmezustands identifiziert, widerspricht der moralischen Lesart nicht, sondern bestätigt sie. Unbedingt ist die Wut zur Rache. Kohlhaas ist kein Prinzipienreiter, er agiert im Sog der Vergeltung, die ihr Ende nicht in Ausgleich oder Strafe findet, sondern in Vernichtung rundum."

Quelle: http://www.nzz.ch/feuilleton/buecher/die-wunder-der-illusion-1.18508371

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Mark Lilla: Europa - eine Frage des Selbstbewusstseins. Selbstbewusstsein ist ein zentraler Punkt in der Politik, besonders in der Aussenpolitik. Europa aber hat keine Strategie. Europas Standpunkt liegt im Nirgendwo.

"Welche Rolle also kann Europa spielen? Denken wir an Kanada. Kanada hat ein ganz klares Selbstverständnis. Es weiss, dass es keine grosse Vergangenheit, kein historisches Schicksal für sich reklamieren kann. Es versteht, dass all seine Macht vom Nachbarn USA abhängt. Es akzeptiert, dass es für seine Bürger und Einwanderer nicht mehr tun kann, als ihnen ein sicheres Umfeld zu bieten, in dem sie ihre wirtschaftliche Lage verbessern können. Dieser Aufgabe wird der Staat in bemerkenswerter Weise gerecht. Kanada weiss auch, dass es sich als Mitglied der internationalen Staatenge einschaft hin und wieder mit anderen Nationen zu diplomatischen und militärischen Aktionen zusammentun muss. Kanada erklärt seine militärische Macht nicht zum Fetisch, wie die USA es tun. Genauso wenig erhebt es das internationale Recht zum Götzen, wie die Europäer es machen. Kanada ist frei von der Bürde nationaler Identität und historischer Katastrophen und hat daher eine einzigartige Stellung inne: als kleiner, gewitzter und selbstbewusster Bürger der internationalen Gemeinschaft."

Quelle: http://www.nzz.ch/meinung/debatte/europa--eine-frage-des-selbstbewusstseins-1.18507638

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Stephanie Geiger: Offene Ohren und eine Tasse Tee. Rund 300 000 Personen leben in Deutschland ohne festen Wohnsitz, viele von ihnen auf der Strasse. In Berlin kümmert sich ein Team der Stadtmission um die Obdachlosen. Geschichten einer Nacht in der Hauptstadt.

"Verlässliche Zahlen über Wohnungslose gibt es nicht. 2012 waren laut Schätzungen der BAGW rund 284 000 Personen in Deutschland ohne Wohnung, übernachteten bei Freunden und Bekannten, in einer Pension oder auf der Strasse. Das war gegenüber 2010 ein Anstieg um 15 Prozent. Die Strassenobdachlosigkeit hat im selben Zeitraum um 10 Prozent zugenommen. Die BAGW prognostiziert bis 2016 einen weiteren Anstieg der Wohnungslosigkeit um etwa 30 Prozent auf dann 380 000 Personen – zusammen wären sie eine Stadt etwas grösser als Bochum. Wohnungslosigkeit trifft laut BAGW die Menschen in Ost- und Westdeutschland gleichermassen. Überwiegend sind sie alleinstehend, ein Drittel lebt aber mit Partner oder sogar Kindern. Die BAGW schätzt, dass jeder zehnte Wohnungslose minderjährig ist."

Quelle: http://www.nzz.ch/international/offene-ohren-und-eine-tasse-tee-1.18508840

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Elena Panagiotidis: «Es ist wichtig, dass diese Wunde nicht weiter schwärt». Viele Opfer des deutschen Besatzungsterrors in Griechenland wurden nie entschädigt

"Im Frühjahr 1943 wurden innert weniger Wochen 45 000 der 50 000 Mitglieder zählenden jüdischen Gemeinde von Thessaloniki nach Auschwitz und Treblinka deportiert. 90 Prozent von ihnen wurden ermordet. Massaker an der Zivilbevölkerung wie in Distomo wurden von SS- und Wehrmachtssoldaten auch in Kalavryta, Lingiades und anderen Orten verübt. Als die Nationalsozialisten 1944 abzogen, waren über 1000 Dörfer niedergebrannt, eine Million Menschen obdachlos. Drei Viertel der griechischen Handelsflotte waren versenkt, die Infrastruktur zerstört."

Quelle: http://www.nzz.ch/international/europa/es-ist-wichtig-dass-diese-wunde-nicht-weiter-schwaert-1.18507644

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Montag, 23. März 2015

Reinhard Frankl (über den Anti-Bertelsmann-Verteiler): Bertelsmannkuratorin Berichterstatterin des Ausschuss für intetnationalen Handel (INTA) für TISA-Entwurf-Empfehlungen

"In einer ppt von Louise Høl Larsen (ETUCE) lese ich gerade unter dem Abschnitt Entwurfempfehlungen des Ausschusses für internationalen Handel (INTA, Vorsitzender Nernd Lange, SPD): 'Mrs Viviane Reding is the rapporteur for the TiSA recommendations.'

Wem die Frau nicht schon bekannt ist, kann bei Wikipedia nachlesen und findet u.a.:

'Angebote der Privatwirtschaft

Nach dem Wechsel von der Europäischen Kommission ins Europäische Parlament im Juli 2014 erhielt Viviane Reding mehrere Angebote der Privatwirtschaft.

Seit 1. Januar 2015 ist sie Mitglied im Kuratorium der Bertelsmann Stiftung (Medien) und wird in Zukunft dem Verwaltungsrat bei Nyrstar (Bergbau) und der Agfa-Gevaert AG (Fototechnologie) beiwohnen. Außerdem erhielt sie Angebote, für die (noch in Planung befindliche) UEFA Foundation for Children und für verschiedene Referenten-Agenturen zu arbeiten.

In diesem Zusammenhang hat es Kritik wegen möglicher Interessenskonflikte und des politischen Drehtüreffekts gegeben.

Viviane Reding selbst betrachtet ihre Nebenbeschäftigungen als unproblematisch; ebenso wurden diese seitens der Europäischen Kommission genehmigt.'

Also aus meiner Sicht nicht gerade die Garantin für gewerkschaftliche Bildingsinteressen."

Samstag, 21. März 2015

Daniel Steinvorth: Nacht über Syrien. Der Horror des Bürgerkrieges geht in sein fünftes Jahr, ein Ende ist nicht in Sicht. Schuld ist die Hilflosigkeit der Uno, der Zynismus der Schutzmächte und das Zögern des Westens.

"Reden wir über Syrien. Reden wir, auch wenn einige es nicht mehr ertragen, über die grösste humanitäre Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg. So haben die Vereinten Nationen den Krieg in Syrien bezeichnet, und das erscheint nicht übertrieben. In den vergangenen vier Jahren sind bis zu 220 000 Menschen im Land getötet worden. Etwa 11 Millionen, die Hälfte der Bevölkerung, wurden zu Flüchtlingen im eigenen Land und ausserhalb. Sechs Prozent sind nach Uno-Angaben tot, verstümmelt oder verwundet. Zwei Drittel der Syrer leben in 'extremer Armut'. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist von 75,9 auf 55,7 Jahre gesunken. Das sind zwei Jahrzehnte. Aber was bewirken diese Zahlen? Als sich vor einigen Tagen, am 15. März, der Beginn des Aufstands gegen das Assad-Regime zum vierten Mal jährte, berichteten die meisten Medien mehr pflichtschuldig als engagiert. Einige stellten aufwühlende Dokumentationen ins Internet und wunderten sich danach über schwache Klickzahlen. Hilfsorganisationen klagen über Desinteresse. Gespendet wird kaum noch. Erst drei Prozent des erforderlichen Jahresbudgets von 297 Millionen Dollar seien bisher eingegangen, berichtete kürzlich das Uno-Kinderhilfswerk. Warum verdrängen wir das Grauen? Weil uns die Ausweglosigkeit des Konflikts frustiert?"

Quelle: http://www.nzz.ch/meinung/debatte/nacht-ueber-syrien-1.18506788

Sebastian Loschert: Der Wotan in uns. In allen Gesellschaftsschichten ist Esoterik angesagt. Das macht ihre Nähe zum rechten und verschwörungstheoretischen Gedankengut umsongefährlicher.

"Der Wunsch der rechtsextremen Esoteriker, in die Wälder Germaniens zurückzukehren, wird etwa am Sortiment des Versandhauses der 'Deutschen Stimme', dem Organ der NPD, deutlich. Da gibt es von Wurzelholzschalen, Feenfiguren, Thorhämmern bis Odin-Wanderstäben alles, was das regressive Herz begehrt. Neben dem Neo-Paganismus, der der jüdisch-christlichen Religion als weniger abstrakt, 'natürlicher' oder 'artgerechter' entgegengesetzt wird, hat auch die Ökologie eine lange Tradition in der rechten Szene. Neuheidentum und braune Ökologie finden sich heute in der Bewegung der 'völkischen Siedler' zusammen, die in verwaisten ländlichen Gebieten einen 'arischen' Lebensstil pflegen."

Quelle: Jungle World, 19. März 2015 (Nr. 12, 19. Jg.), S. 5.

Uwe Justus Wenzel: Das Kreuz mit dem Kopftuch. Der weltanschaulich neutrale Staat und die pluralistische Gesellschaft.

"Einen Generalverdacht gegen ein bestimmtes Erscheinungsbild von Lehrpersonen auszusprechen, so die Richter, sei unzulässig. Für ein Verbot des Kopftuchs reiche dessen 'bloss abstrakte Eignung zur Begründung einer Gefahr für den Schulfrieden oder die staatliche Neutralität' nicht aus. Es müsse eine 'konkrete Gefahr für die Schutzgüter' gegeben sein, zu denen auch die 'negative' Glaubensfreiheit der Schüler und Eltern zählt. Denkbar sei allenfalls, dass aufgrund 'substanzieller Konfliktlagen' in bestimmten Schulbezirken für eine gewisse Zeit 'religiöse Bekundungen' generell unterbunden werden."

Quelle: http://www.nzz.ch/feuilleton/der-weltanschaulich-neutrale-staat-und-die-pluralistische-gesellschaft-1.18506702

Stefan Mogl & Oliver Thränert: Die Rekonstruktion eines Pockenvirus. Zukünftige biochemische Waffen sind eine Herausforderung, auf die Regierungen kaum vorbereitet sind

"Die wachsenden Überschneidungen zwischen Chemie und Biologie werden besonders dann sichtbar, wenn - vereinfacht ausgedrückt - Biologie Chemie produziert und Chemie Biologie. Chemikalien werden mithilfe biologischer Katalysatoren hergestellt, wie etwa Enzymen, oder mithilfe sich selbst vermehrender Orgamismen. Bekannte Organismen werden verändert, damit sie Chemikalien produzieren können. Umgekehrt wird es möglich, Organismen chemisch herzustellen. So gelang Forschern bereits 2002 mithilfe einer Bauanleitung aus dem Internet, frei zugänglichen Genom-Daten sowie gewöhnlichen Labormaterialien der Nachbau des Poliovirus. Dieses Virus gehört zwar zu den am einfachsten aufgebauten Organismen, doch erscheint es grundsätzlich möglich, auch komplexere Viren, beispielsweise das Pockenvirus, zu rekonstruieren. Da Pocken seit 1980 aus ausgerottet gelten und seitdem keine Impfungen mehr stattfanden, hätte dies weitreichende Folgen: Staaten oder auch Terroristen könnten Pocken absichtlich ausbringen."

Quelle: http://www.nzz.ch/international/die-rekonstruktion-eines-pockenvirus-1.18505948

Freitag, 20. März 2015

Peter A. Fischer: Die EZB ist nicht ganz unschuldig. In Frankfurt entlädt sich blinder Zorn gegen die falsche Institution. Indem sich die EZB von der Politik instrumentalisieren lässt, macht sie sich aber angreifbar.

"Nun gehört die Einsicht, dass Geldpolitik am besten von kompetenten, unabhängigen und damit dem politischen Tagesgeschäft entzogenen Zentralbanken wahrgenommen wird, zu den am wenigsten umstrittenen Eckpfeilern der Wirtschaftswissenschaften. Doch viele Notenbanken - und ganz besonders die EZB - sind seit der Finanzkrise Opfer ihres eigenen Erfolgs geworden. Weil sie als einzige schnell handlungsfähig erschienen, hat die Politik immer neue Aufgaben auf sie abgeschoben. Damit einher gingen und gehen immer kompliziertere Interessenkonflikte, die mit eigentlicher Geldpolitik wenig zu tun haben. Wenn Draghi und seine Kollegen nach informellen Diskussionen mit Finanzministern und Regieringschefs die Märkte mit zusätzlichem Geld fluten, um Zinsen zu drücken und überschuldeten Regierungen das Leben zu erleichtern, fällt die geldpolitische Begründung dafür wenig glaubwürdig aus. Und auch wenn sie davon absehen, von ihnen beaufsichtigte Banken für insolvent zu erklären, bloss um ein nationales Bankensystem vor dem Kollaps zu bewahren, fällen sie (fiskal)politische Entscheide. Sie dürfen sich dann auch nicht wundern, wenn ihnen plötzlich die Macht zugesprochen wird, 'Austern für alle statt Austerität' zu bescheren, wie es ein Plakat in Frankfurt forderte. Es ist dann auch keine grosse Überraschung mehr, wenn Rufe nach einer Politisierung der Zentralbank lauter werden."

Quelle: http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/ezb-ist-nicht-ganz-unschuldig-1.18505102

Andres Wysling: Staatliche Falschmünzer in Spanien

"Das Jahr 1945 markiert in Spanien kein Kriegsende und keinen Friedensbeginn, das Land nahm am Zweiten Weltkrieg nicht teil. '25 Jahre Frieden', liess jedoch der Putschist und Diktator Franco im Jahr 1964 verkünden, ein Vierteljahrhindert nach seinem Sieg im Bürgerkrieg 1939. Seine Anhänger behaupteten nach seinem Tod im Jahre 1975 dreist, das Franco-Regime habe Spanien '40 Jahre Frieden' gebracht - in dieser Zeitspanne hatten auch die drei Bürgerkriegsjahre Platz. Die Nachkriegsjahre mit Unterdrückung und Arbeitslagern waren im Einparteistaat des Alleinherrschers auch nicht gerade eine himmlische Zeit."

Quelle: http://www.nzz.ch/international/aufgefallen/staatliche-falschmuenzer-in-spanien-1.18505242

Donnerstag, 19. März 2015

Kathrin Klette: Wie Twitter mein Leben ruiniert

"Warum haben 'Likes' und 'Favs' eine solche Macht? Weil sie unsere Seele streichelten, sagen Joseph Grenny und David Maxfield, die Autoren der Studie ('Mashable'; SR), und sie seien deshalb so verführerisch, weil im Alltag viel mehr Aufwand nötig sei, um dasselbe Gefühl zu verspüren. Wer aber ständig nach einer Social-Media-Trophäe suche, sei tendenziell weniger zufrieden."

Quelle: http://www.nzz.ch/panorama/alltagsgeschichten/wie-twitter-mein-leben-ruiniert-1.18504293

Lothar Funk: Unterminiert Stupsen die liberale Ordnungspolitik? - Verhaltensökonomische Erkenntnisse gewinnen in der Wirtschaftspolitik an Bedeutung.

"Der traditionelle Ansatz eines immer rationalen individuellen Verhaltens gerät seit einiger Zeit zunehmend in die Defensive. Mehrere Denkschulen treten dafür ein, dass der Staat Menschen durch entsprechende Änderung von Anreizen in eine langfristig 'bessere' Richtung lenken soll. Dabei handelt es sich einerseits um moderne Verfechter der Meritorik wie etwa die Kölner kritizistisch-teleologischen Sozialpolitiker um Frank Schulz-Nieswandt. Sie rechtfertigen effizienzsteigernde Markteingriffe mit der Legitimation demokratisch gewählter Politiker. Andererseits liefert auch die neue Debatte zu den Grundlagen eines 'guten Lebens' Rechtfertigungen für staatliche Eingriffe und betont, dass der Staat oft sowieso ethische Entscheidungen treffen müsse."

Quelle: http://www.nzz.ch/wirtschaft/ist-stupsen-illiberal-1.18504507

Mittwoch, 18. März 2015

Peter Glaser: Abschied vom Abschied

"Die sogenannten sozialen Netzwerke machen uns gegenwartssüchtig. Sie geben uns eine neue Identität als Online-Wesen, und die Erfindung dieser neuen Identität ist das, was ein System wie Facebook so immens erfolgreich macht. Auch die Zigarettenindustrie hatte Erfolg mit einer neu geschaffenen Identität: dem Raucher. Wer diese Identität ablegen wollte, hatte - neben dem physischen Entzug - vor allem damit zu kämpfen, dass er ein 'Nicht-' war, ein Nicht-Raucher. In Wahrheit ist, wer das Rauchen aufgibt, wieder ein Luftatmer, aber das ist so selbstverständlich, dass es niemandem mehr auffällt."

Quelle: http://www.nzz.ch/meinung/kolumnen/abschied-vom-abschied-1.18504131

Ina Rogg: Gestärktes kurdisches Selbstbewusstsein. Der Sieg gegen die Jihadisten in Kobane hat auch den türkischen Kurden Auftrieb gegeben und die Grenzen aufgeweicht

"Der Reformwille Erdogans und der AKP ist freilich seit langem erlahmt. Statt die Demokratisierung des Landes voranzutreiben, haben sie den Rückwärtsgang eingelegt. Ausdruck ist nicht zuletzt das heftig umstrittene Sicherheitsgesetz, das die AKP just auf den Weg brachte, als die Kurden gegen die türkische Blockade auf der Strasse nach Kobane protestierten. Mehr als dreissig Demonstranten verloren bei den Ausschreitungen Anfang Oktober ihr Leben. Das Gesetz sieht unter anderem eine Stärkung der von der Regierung eingesetzten Gouverneure vor. Diese könnten die gewählten Kommunalvertretungen faktisch entmachten - ein probates Mittel, um unter anderem gegen unangenehme, von Kurden dominierte Stadtverwaltungen im Südosten der Türkei vorzugehen. Es wäre ein Rückfall in die neunziger Jahre. Dabei verkennt Erdogan, dass sich die Kurden heute noch weniger in die Knie zwingen lassen als damals. Die PKK ist so stark wie seit Jahren nicht mehr, und das nicht zuletzt wegen des Konflikts in Syrien."

Quelle: Neue Zürcher Zeitung, 18. März 2015 (Nr. 64, 236. Jg.), S. 7.

Dienstag, 17. März 2015

David McWilliams: Auf Wiedersehen? Never

"In fact, our 15 years’ experience with the euro have been 15 years of massive economic instability. It has been a chaotic period of seven years of unsustainable boom, followed by a year of meltdown and then seven more years of recession, unemployment, emigration and public service cutbacks.

The only reason the economy is growing strongly now is because England and America – our major trading partners – are growing strongly. When you hear politicians talking about the Irish economy, and saying we are the fastest growing economy in Europe, it is meaningless, because we aren’t a European economy at all. We are an Anglo/American economy, with a European exchange somehow grafted onto us."

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Roman Bucheli: Der Zeitgeistmesser. Oder warum das Buch zum Film kommt

"«Kruso» geht darum den gleichen Weg, den vor Lutz Seilers Roman schon Uwe Tellkamp mit «Der Turm» und Ursula Krechel mit «Landgericht» gingen. Die drei Romane stehen in einer Reihe: Sie gewannen den Deutschen Buchpreis, beleuchten die deutsche Geschichte aus ungewöhnlicher Perspektive und wurden oder werden als grosse Bucherfolge nun auch für das Kino- oder Fernsehpublikum (noch einmal) aufbereitet. Es wird nicht daran liegen, dass sie allesamt Bestseller waren. Auch Thomas Hettches Roman «Pfaueninsel» stand im Herbst lange weit oben auf der Bestsellerliste, und das filmische Potenzial seines Plots ist unbestritten. Und Angelika Klüssendorf hat in ihrem Roman «April» ihrerseits im letzten Jahr ein Sittenbild aus der DDR gezeichnet, das man sich auch auf einer Leinwand hätte vorstellen können."

Quelle: http://www.nzz.ch/feuilleton/buecher/der-zeitgeistmesser-1.18503297

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Volker M. Heins: Der langwe Krieg um Vielfalt. Warum ein wohlverstandener Multikulturalismus auch in Zeiten des islamistischen Terrors aktuell ist.

"Eine solche Forderung ist aus drei Gründen kontraproduktiv: Zunächst ignoriert die Polemik gegen den Multikulturalismus die Tatsache, dass der Multikulturalismus historisch bereits eine Antwort auf das Scheitern eben jener Assimilationspolitik war, die heute wieder gefordert wird. Zweitens verkennt sie das Wesen des neuen Terrorismus, womit sie ihn zugleich bagatellisiert. Drittens wird etwas Entscheidendes übersehen: Nur ein liberaler Umgang mit kulturellen Differenzen verspricht, dass sich Einwanderer und ihre Kinder in den Staaten, deren Bürger sie sind oder werden wollen, zu Hause und aufgehoben fühlen.Die grosse historische Alternative zum Multikulturalismus war das Projekt der Assimilation, verstanden als Einschmelzung und Überwindung der Sitten und Gewohnheiten von Einwanderern oder widerspenstigen einheimischen Gruppen wie etwa Ureinwohnern. Dieses Projekt muss im historischen Kontext des europäischen Kolonialismus gesehen werden. Assimilation war ursprünglich gleichbedeutend mit Zivilisierung.Tatsächlich scheint der Begriff der Assimilation erstmals im Vokabular des britischen Empire aufgetaucht zu sein, dessen Führer nach dem Verlust der amerikanischen Kolonien entschlossen waren, die Zügel straffer anzuziehen und sich nun auch der «Kulturarbeit», wie der deutsche Kolonialbegriff lautete, zu widmen. Assimilation wurde zur Losung einer Neugründung des Empire, dessen erstes Experimentierfeld die heutige französischsprachige Provinz Quebec in Kanada werden sollte. Ausgerechnet die Nachkommen eingewanderter katholischer Bauern aus der Normandie und der Bretagne glaubte man zu Engländern machen zu können, bevor man den Quebecern dann doch frühzeitig Sprachautonomie und Religionsfreiheit zusagte."

Quelle: http://www.nzz.ch/meinung/debatte/der-lange-krieg-um-vielfalt-1.18502730

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Tobias Feld: Ein Vogel macht Politik. Im Zuge der deutschen Energiewende boomt die Windkraft - die Windräder sind Vogelschützern jedoch ein Dorn im Auge

"Selbst in Ludwig Sothmann hat die Windenergie einen überzeugten Befürworter gefunden. Geboten sei allerdings eine kluge Standortwahl. Grundsätzlich halte die Galionsfigur der Naturschützer als langjähriger Vorsitzender des Vogelschutzbundes LBV diese regenerative Energieform für unerlässlich bei der Energiewende. «Die Windkraft», sagt der 74-Jährige, der auch der Fachagentur Wind an Land vorsteht, «ist die wirksamste und ertragreichste.» In der Zwischenzeit habe bei den Naturschützern ein Umdenken eingesetzt. Die grösste Sorge bereite ihnen mittlerweile der Klimawandel und das dadurch forcierte Artensterben. Mit der Pflege von Biotopen sei es da nicht mehr getan."

Quelle: http://www.nzz.ch/international/deutschland-und-oesterreich/ein-vogel-macht-politik-1.18503586

Mein Blog befasst sich in einem umfassenden Sinn mit dem Verhältnis von Wissen, Wissenschaft und Gesellschaft. Ein besonderes Augenmerk richte ich dabei auf die Aktivitäten des Medien- und Dienstleistungskonzern Bertelsmann und der Bertelsmann Stiftung.

Daniel Wechlin: Die Kreml-Astrologie im Hoch. Die russischen Demokratiedefizite befeuern jede noch so abstruse Spekulation über Präsident Wladimir Putin

"Die Aufregung in den sozialen Netzwerken ist gross. Wo ist Wladimir Putin? Der russische Präsident zeigte sich zum letzten Mal am 5. März mit dem italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi in Moskau in der Öffentlichkeit. Daraufhin wurden mehrere Termine ohne Gründe abgesagt, etwa eine Staatsvisite in Kasachstan oder die Unterzeichnung eines Kooperationsvertrages mit Südossetien. Seither überschlagen sich die Gerüchte über seinen Verbleib. Die Mutmassungen bedienen jeden Geschmack. Während die einen meinen, Putin stecke im Lift zum Regierungsbunker unter dem Kreml fest und seit Tagen werde versucht, einen Rettungsstollen zu bohren, spekulieren andere über eine Palastrevolte, eine Entführung durch Ausserirdische, über eine schwere Krankheit oder gar über das Ableben des 62-jährigen Kreml-Chefs."

Quelle: http://www.nzz.ch/international/europa/die-kreml-astrologie-im-hoch-1.18502775

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Montag, 16. März 2015

Wolfgang Ulrich: Schönsein als Kulturtechnik. Ob Fitness, Botox oder OP - die Arbeit am Körper ist nicht nur ein Zwang, sie macht den Menschen auch frei.

"Zwei Umstände haben diese Veränderung begünstigt. Da 'Schönheit' seit mehr als zehn Jahren vor allem in Casting-Shows verhandelt wird, angehende Models also immer im Plural auftreten, genügt es allein deshalb nicht, schöne Beine und makellose Gesichter zu zeigen. Es bedarf zusätzlicher Kriterien der Unterscheidung; in der direkten Konkurrenz müssen die Kandidatinnen über etwas verfügen, das sie interessant und unverwechselbar macht: Ihr Vorleben soll ungewöhnlich oder schwer gewesen sein, oder sie haben bereits auf anderem Weg ein wenig Prominenz erlangt. Das an sich stabile Schönheitsideal erhält so jeweils eine andere Färbung, einzelne Merkmale wie Haut, Lächeln, Motorik werden abhängig von der Geschichte, die ein Model zu erzählen hat, verschieden wahrgenommen.

Quelle: http://www.nzz.ch/feuilleton/schoensein-als-kulturtechnik-1.18502682

Marc Zitzmann: Brutstätten für Terrorismus? Der Pariser Soziologe Farhad Khosrokhavar zum Thema "islamischer Radikalismus und Gefängnis"

"So zeitigt das Gefängnis bisweilen eine Mutation, bei der der Hass vom Profanen ins religiöse Register überwechselt. 'Diese Mutation', schreibt Khosrokhavar in 'Radicalisation', 'ist ungleich gefährlicher als die Devianz oder atomisierte Delinquenz von Individuen, die sich bereichern und auf das Niveau der Mittelklasse hieven wollen, von der sie sich zu Unrecht ausgeschlossen fühlen durch die Böswilligkeit und den Rassismus der restlichen Gesellschaft. Ohne einen Seelsorger, der die Sakralisierung des Hasses verhindert, läuft das labile Individuum, das nur Ausgrenzung und verinnerlichte Nichtswürdigkeit gekannt hat, Gefahr, seine Wut und seine Rachegelüste in totalisierender Form umzuschreiben: ein Jihadist zu werden.'"

Quelle: http://www.nzz.ch/feuilleton/brutstaetten-fuer-terroristen-1.18502647

Samstag, 14. März 2015

Christoph Türcke: Schrecken, Schuld und Schlachtopfer. Eine kleine Geschichte des Geldes

"Das Wort 'Geld' kommt nicht, wie viele meinen, von 'Gold', sondern vom angelsächsischen 'gilt': Schuld, Geschuldetes. Damit waren zunächst keine privaten Schulden gemeint, sondern etwas, was archaische Kollektive höheren Mächten zu schulden glaubten: Opfer. 'Gilde' heisst ursprünglich Opfergemeinde, nicht Handwerkerzunft. Und geopfert wurden nicht Gold- oder Silberstücke, sondern lebendige Wesen, und zwar gerade die unentbehrlichsten: eigene Stammesgenossen und gezähmte Grosstiere. Warum tut man so etwas? Warum versuchte man die schrecklichen Naturgewalten zu besänftigen, sich ihr Wohlwollen zu erkaufen, indem man selbst Schreckliches beging und ausgerechnet Lebrwesen schlachtete, die einrm am nächsten und liebsten waren?"

Quelle: Neue Zürcher Zeitung, 14. März 2015 (Nr. 61, 236. Jg.), S. 27.

Donnerstag, 12. März 2015

Roman Orlando Maniglia Ferreira (Botschafter der Bolivarischen Republik Venezuela in der BRD): Venezuela steht für eine in Freundschaft gereichte Hand, es ist ein Land der Zuneigung und Solidarität. Auszug aus der Erklärung vom 12. März 2015.

"Wir haben in der Geschichte unserer 204 Jahre währenden Unabhängigkeit niemals einen Krieg gegen unsere Nachbarstaaten geführt. Darauf sind wir sehr stolz. Wir sind ein Volk, das sich dem Frieden und der Solidarität verschrieben hat. Auch vor dem Hintergrund der uns durch den niedrigen Rohölpreis entstehenden Gefahren werden wir unsere Unterstützung der Benachteiligsten unseres Volkes sowie unserer Brüdervölker in den Amerikas, Asien, Nahen Osten, Afrika und Europa nicht aufgeben. Venezuela steht für eine Fteundschaft gereichte Hand, es ist ein Land der Zunrigung und der Solidarität."

Stefan Betschon: World Wide Western

"Ein paar kalifornische Jungunternehmer glaubten das nicht. Sie haben die Funktionen von Mittelsmännern softwaretechnisch automatisiert und rasch sehr viel Geld verdient. Google vermittelt weltweit zwischen Informationsanbietern und Informationsnachfragern, Uber zwischen Chauffeuren und Fahrgästen. Für den Vorgang, dass eine amerikanische Jungfirma weltweit eine Vielzahl von lokalen Vermittlungsinstanzen durch eine eigene Dienstleistung ersetzt, beginnt sich das Tätigkeitswort 'uberize' einzubürgern. Keine Branche wurde stärker 'uberized' als die Medienbranche. Die Distanz zwischen Kommunikator und Rezipient wird immer größer."

Quelle: Neue Zürcher Zeitung, 12. März 2015 (Nr. 59, 236. Jg.), S. 37

Neue Zürcher Zeitung (hes.): Twitter macht sexy

"Zuerst wurde er aufgrund seines Übergewichts ausgelacht, jetzt soll er zum Star einer Party mit 2000 Frauen sowie prominenten Gästen werden - Internet sei Dank. Die Geschichte #FindDancingMan machte Station in den verschiedenen Ecken des Webs. Auf der umstrittenen Internetplattform 4Chan wurde im Februar ein übergewichtiger Mann verhöhnt. Viele bekundeten Mitleid und soludarisierten sich mit dem Mobbing-Opfer. Eine Nutzerin rief dazu auf, für den Mann eine Party zu veranstalten."

Quelle: Neue Zürcher Zeitung, 12. März 2015 (Nr. 59, 236. Jg.), S. 37

Mittwoch, 11. März 2015

taz: Die Rückkehr der Troika. Die Eurogruppe hat erneut bewiesen: Sie ist unfähig, die Krise Griechenlands zu lösen. Aber auch Yanis Varoufakis ist weltfremd.

"Durchgesetzt hat sich Berlin auch mit der Haltung, Athen müsse nun „liefern" und die vereinbarten Reformen umsetzen. Nur vierzehn Tage nach der Grundsatz-Einigung über eine Verlängerung des Griechenland-Programms soll Finanzminister Yanis Varoufakis nun 20 Reformen auf Heller und Pfennig – pardon: Cent – ausrechnen und umsetzen.       
 
Das ist schlicht nicht möglich. Keine Regierung der Welt kann in 20 Tagen die komplette Administration umkrempeln und Kosten und Nutzen mit Zahlen untermauern. Nicht Varoufakis spinnt – sondern all jene, die diese völlig realitätsfremde Bedingung aufgestellt haben. Griechenland braucht mehr Zeit, diese Forderung gilt weiter."
 
Quelle: http://taz.de/Kommentar-Griechenland/!156137/

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N.N. (Anti-Bertelsmann): eCard von Arvato/Bertelsmann

Als Mutter und im Krankheitsfall als Patientin stelle ich nach ausführlicher Recherche fest, dass die neue elektronische Gesundheitskarte ein großer Schritt in Richtung einer Entwicklung zu einer inhumaneren Gesellschaft darstellt. Die vorgesehene Speicherung unserer Patientendaten auf der Karte und vor allem  auf zentralen Speichern im Internet  macht uns alle zu "Gläsernen Patienten".

Richtig schlimm ist aber die zukünftige Abfrage oder die evtl. illegale Verwendung unserer Patientendaten bzw. die unserer Kinder, wenn wir mit unseren Anliegen bei Versicherungen, Banken,Arbeitgebern, usw. vorstellig werden. Bei entsprechenden durchgemachten Erkrankungen oder Gesundheitsschäden brauche ich nicht weiter ausführen, was das zur Folge hat.

Die Freiwilligkeit der Verwendung unserer persönlichen Daten wird z. Zt. zwar beteuert, aber damit ist es schnell vorbei, wenn es heißt:

- Die Voraussetzung für die Inanspruchnahme von Leistungen (Behandlung, Versicherung, Bankkredit, usw.) ist die "freiwiliige" und lückenlose Preisgabe der Behandlungsdaten oder:

- Da Sie uns Ihre Daten nicht freiwillig zur Verfügung stellen, müssen wir davon ausgehen, dass Sie etwas zu verbergen haben. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir unter diesen Umständen nicht bereit sind, das Risiko einzugehen...............

Der zweite große Schritt in Richtung einer inhumaneren Gesellschaft wird die geplante Abschaffung der freien Praxen sein, das erklärte Ziel von " diesem Professor aus Aachen". Inhuman, weil dann mit Errichtung sog. Versorgungszentren, die Anreise für die Patienten "höchstens" 90 Minuten betragen soll (Aussage eines Managers der Rhön-Kliniken, wo dieser "Professor aus Aachen" Aufsichtsratmitglied ist). Nun stellen Sie sich bitte sich selbst (evtl. mit kleinen Kindern) oder Ihre evtl. gehbehinderten diabetischen Eltern, Großeltern vor bei diesen Bedingungen und darüberhinaus mit ständig wechselnden, nicht frei wählbaren Behandlern.

Aber für die Information über Ihre gesundheitliche Verfassung gibt es ja dann die neue eGK. --Täglich gibt es Berichte über Datenmissbrauch/-diebstahl. Fallen Sie bloß nicht auf die Verdummungsparole herein, zu gegebener Zeit hätte man eine "Wunderwaffe" parat, die die Patientendaten absolut schützt. Was einmal im Netz ist, bleibt im Netz und selbst gelöschte Daten können wieder hergestellt werden.

Haben Sie sich eigentlich noch nicht gefragt, warum Sie bisher über so ein wichtiges Thema so wenig oder nichts in den Medien erfahren haben? Ganz einfach, weil die Mehrzahl der größten Medien bereits in den Händen von wenigen großen Konzernen ist. Und genau diese Medien haben sich aus Gründen von zurückgehenden Profiten bei den Printmedien das Geschäftsmodell mit der elektronischen Gesundheitskarte mit ihrer Infrastruktur als neue Geldquelle ausgedacht. Diese Gelder werden mittelbar von Ihren Krankenkassenbeiträgen weggenommen, die von Ihnen doch sicher nur für Ihre medizinische Versorgung gedacht waren.

Hallo Konzerne, wir wollen nicht, dass Teile unerer Krankenkassenbeiträge zugunsten von Euch geschmälert werden. Verdient Euer Geld gefällgst mit guten Produkten, die den Menschen mehr nützen als schaden und die so gut sind, dass sie freiwillig gerne gekauft werden (z.B. auch im Ausland) und nicht mit Hilfe von Geschäftsmodellen, die evtl. über Gesetze von Politikern erpresst oder gekauft werden, nur um die Bevölkerung des eigenen Landes abzuzocken, so dass die Gelder für eine gute medizinsiche Behandlung fehlen.

Wir wollen keine shareholder-value Gesundheitszentren mit für ältere Menschen unzumutbar langer Anreise und ständig wechselnden, nicht frei wählbaren Behandlern.

Wir wollen nicht zum "Gläsernen Patienten werden.

Wir fordern den Schutz der Privatsphäre und das Recht zur informationellen Selbstbestimmung (einklagbar vor dem EGMR) für uns und vor allem unsere Kinder.

Wir sind gegen die Abschaffung der ärztlichen Schweigepflicht.

Mein Blog befasst sich in einem umfassenden Sinn mit dem Verhältnis von Wissen, Wissenschaft und Gesellschaft. Ein besonderes Augenmerk richte ich dabei auf die Aktivitäten des Medien- und Dienstleistungskonzern Bertelsmann und der Bertelsmann Stiftung.

Dienstag, 10. März 2015

Eliane Glaser: Nation-states aren't housrholds: debating their economies as if they are is stupid

"But all this is economic bunk. Government spending is not a zero sum game in which individual policy costs must be matched with corresponding 'savings' elsewhere. Governments can raise money not only through taxation but also by borrowing, creating money, and investing for growth. Contrary to this proclamations, Osorne has merrily carried on borrowing billions, not only because he's a hypocrite, but also because it's the rational thing to do. As the New Economics Foundation has pointed out, the UK's-debt-to-GDP ratio is not high by historical and international standards, and with interest rates so low the cost of servicing the debt remains eminently manageable."

Quelle: http://www.newstatesman.com/politics/2015/03/nation-states-arent-households-debating-their-economies-if-they-are-stupid

Mittwoch, 4. März 2015

Georg Klein: Die spitzen Ohren des Bastards. Mister Spock bleibt "einer von uns" - eine Hommage.

"Spock ist ein Bastard. Und dass eine Serie, die noch 1969 einen Teil des amerikanischen Fernsehpublikums dadurch empören wird, dass Raumschiffkapitän James Kirk eine dunkelhäutige Kollegin küsst, einen derart offensichtlichen Mischling zu ihrer zweiten Hauptfigur kürt, scheint kein geringes Wagnis. Aber auch rassistische Phobien lassen sich bisweilen künstlerisch überlisten. Die Entgrenzung, die mit Spocks teils irdischer, teils vulkanischer Herkunft verbunden ist, wird durch die Gestaltung der Figur geschickt eingehegt: Leonard Nimoy spielt den Halbausserirdischen mit extrem reduzierter Mimik und unter Verzicht auf körperliche Expressivität als ein Wesen, das sich nicht die Blösse einer libidinösen Schnittstelle gibt. Die Vulkanier sind zudem, in schönem Widerspruch zu ihrem Namen, berühmt für ihren extrem rationalen Charakter, für ihr dogmatisches Beharren auf Faktenevidenz und logisch nachvollziehbaren Entscheidungen. Spock ist zwanghaft überkontrolliert - ganz wie wir heutige Erdlinge es sind, wenn wir unser Abweichen von einer wichtigen Norm durch akkurate Übererfüllung der sonstigen Erwartungen zu kompensieren versuchen."

Quelle: http://www.nzz.ch/feuilleton/die-spitzen-ohren-des-bastards-1.18493681

Ricardo Tarli: Die grüne Welle. In mehreren deutschen Grossstädten gibt es Bemühungen zur Legalisierung von Cannabis

"Ähnliche Überlegungen wie in Köln und Berlin gibt es auch in Hamburg. Der Stadtteilbeirat Sternschanze, ein beratendes Gremium aus Anwohnern, hat im vergangenen November erneut die Errichtung von Coffeeshops gefordert, um die Drogenkriminalität im Schanzenviertel einzudämmen. Trotz verstärkter Repression durch die Polizei konnte sich der Drogenhandel rund um den Flora-Park weiter ausbreiten. Der Vorschlag für einen Modellversuch zur legalen Abgabe von Cannabis liegt nun beim zuständigen Ausschuss der Bezirksversammlung Altona."

Quelle: http://www.nzz.ch/international/deutschland-und-oesterreich/bemuehungen-zur-legalisierung-von-cannabis-1.18494206