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Freitag, 26. Juni 2015

Claudia Aebersold Szalay: Klagen über tiefe Zinsen. Was macht die deutschen Sparer wirklich arm?

"Nun hat die Notenbank den Vorwurf in einem wissenschaftlichen Papier untersucht und ist zum Schluss gekommen, dass nicht ihre Politik für die Unzufriedenheit deutscher Sparer verantwortlich ist. Skepsis ist natürlich angebracht, wenn die Forschung ausgerechnet von der Angeklagten selbst kommt, doch die Argumentation der EZB-Ökonomen ist so simpel wie überzeugend. Sie erinnern daran, dass die Notenbank lediglich die kurzfristigen nominalen Zinssätze direkt steuern kann. Auf die langfristigen Nominalsätze kann sie lediglich indirekt, über die Inflationserwartungen, Einfluss nehmen. In der langen Frist - die Perspektive, die Sparer interessiert - hängt die Verzinsung aber primär vom Realzins ab. Dieser wird von mehreren Faktoren bestimmt, vor allem von den verfügbaren Arbeitskräften in einem Land und deren Produktivität. Was den Realzins somit erhöht, sind eine kluge Arbeitsmarktpolitik, Infrastruktur-Investitionen sowie gute Rahmenbedingungen für technischen Fortschritt. Für all das ist nicht die Notenbank zuständig. Im Gegenteil, sie ist gegenüber den Kräften, die den langfristigen Realzinssatz bestimmen, nahezu machtlos. Die 'Bild' beklagt den 'Zins-Klau', doch der Dieb ist nicht die EZB."

Quelle: http://www.nzz.ch/meinung/reflexe/wer-macht-die-deutschen-sparer-wirklich-arm-1.18567911

Mittwoch, 24. Juni 2015

JasminTeam: Spiegel schützt Lobbyisten Elmar Brok in „Kasachen-Affäre“

"Dafür organisierte der Wiener Anwalt Gabriel Lansky mit Geld aus Astana einen „Berater-Kreis“ unter dem Namen „Independent International Advisory Council“ (IIAC), dem Ex-Staatschefs und Top-Politiker angehörten: Neben Gerhard Schröder auch Ex-Kurzzeit-Bundespräsident Horst Köhler, Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, Romano Prodi, Aleksander Kwasniewski, Marcelino Oreja; als „Team Operation“ sollen weitere EU-Mächtige noch tiefer verstrickt sein: Peter Gauweiler, Otto Schily, Max-Peter Ratzel (Europol-Exchef), Jürgen Kapplinghaus (EU-Justiz) -sie alle sollen im Auftrag Nasarbajews dessen Feind Alijew gejagt haben. Nur vergisst der „Spiegel“ in dieser Darstellung die Schlüsselrolle Elmar Broks bei Alijews Inhaftierung genauer zu betrachten."

Quelle: https://jasminrevolution.wordpress.com/2015/06/21/spiegel-schutzt-lobbyisten-elmar-brok-in-kasachen-affare/

Mein Blog befasst sich in einem umfassenden Sinn mit dem Verhältnis von Wissen, Wissenschaft und Gesellschaft. Ein besonderes Augenmerk richte ich dabei auf die Aktivitäten des Medien- und Dienstleistungskonzern Bertelsmann und der Bertelsmann Stiftung.

Dienstag, 23. Juni 2015

Jenni Roth im Interview mit Wolfram Meyerhöfer: "Der Pisa-Test gehört abgeschafft". Wolfram Meyerhöfer, Spezialist für Mathematikunterricht, erklärt, warum er den Pisa-Test für einen schlechten Test hält

"Jenni Roth: Warum sind die Aufgaben dann so konstruiert?

Wolfram Meyerhöfer: Als Organisation für wirtschaftliche Entwicklung interessiert die OECD die ökonomische Rolle der öffentlichen Schulen. Die Tests orientieren sich also an der Brauchbarkeit von Schülern als Arbeitskräften. Aber das kann nicht das einzige Ziel öffentlicher Bildung und Erziehung sein! In anderthalb Minuten zu entscheiden und bei einem Sachproblem lediglich ein Kreuz zu setzen, das folgt einem ökonomischen Konzept, welches für ein Land mit einer Wirtschaftsstruktur wie Deutschland fatal ist. Für Pisa ist die OECD auch Allianzen mit multinationalen und profitorientierten Unternehmen eingegangen, die versuchen, von jedem von Pisa behaupteten Bildungsproblem zu profitieren. Die internationalen Bildungskonzerne benötigen Tests wie Pisa, um eigene Bildungsprogramme zu legitimieren, laufen mit ihren Bildungsinhalten aber in eine völlig falsche Richtung."

Quelle: http://www.nzz.ch/wissenschaft/bildung/miese-noten-fuer-den-pisa-test-1.18566596

Joachim Güntner: Auf Diät. Wider die Verkürzung eines Begriffs

"Von Ludwig Wittgenstein ist das Bekenntnis überliefert, es sei ihm gleich, was er esse, es müsse 'nur immer dasselbe sein'. Das ist kurios, denn dieser Philosoph kannte dort, wo die Diätik der leiblichen Ernährung endet und die geistige beginnt, sehr wohl die Gefahren der Einseitigkeit. In Paragraf 593 seiner 'Phlosophischen Untersuchungen' notierte er: 'Eine Hauptursache philosphischer Krankheiten - einseitige Diät: man nährt sein Denken nur mit einer Art von Beispielen.' Theoriebildung tendiert dazu, Hypothesen durch passende Belege zu stützen und die störenden auszublenden. Man muss kein Philosoph sein, um dieser Denkform zu frönen. Wann immer wir strikt für eine Sache argumentieren, lassen wir fort, was nicht ins gewünschte Bild passt. Das Schöne an Wittgenstein ist, dass er den Diät-Begriff auch auf Geistiges bezieht statt bloss auf Speisepläne. Das macht ihn zum Gewährsmann gegen den üblichen Reduktionismus."

Quelle: http://www.nzz.ch/feuilleton/auf-diaet-1.18562693

Montag, 1. Juni 2015

Eduard Kaeser: Sind wir alle Experten? Die Wissensgesellschaft und die "Bürgerwissenschaft" der vermeintlichen Laien

"Vor fünfunddreissig Jahren sprach Ivan Illich von der 'Entmündigung durch Experten'. Er warnte vor der 'behaglichen Gleichgültigkeit der Bürger, die sich als Klientel dieser Experten einer vielgestaltigen Sklaverei unterwerfen'. Und er sah damals bereits eine Position zwischen Expertenhörigkeit und Expertenfeindschaft voraus, die er das 'postprofessionelle Ethos' nannte. Man könnte sagen: Im Zeitalter des Post-Expertismus lässt sich ein neues altes Expertentum wiederbeleben oder wieder schätzen lernen. Wer zählt zu seinem Bekanntenkreis nicht Liebhaber und Kenner von Pilzen, Käfern, Lokalgeschichte, alternativen Energieformen oder extraterrestrischem Leben?"

Quelle: http://www.nzz.ch/feuilleton/sind-wir-alle-experten-1.18551867

Milosz Matuschek: Ich liebe mich, pardon dich!

"Doch wer sich verlieben will, muss den kleinen Narzissten in sich zum Schweigen bringen oder zumindest dessen Handlungshorizont beschränken. Wer im starren Glauben an die eigenen Werte weiter nach oben strebt, bleibt ziemlich sicher allein. So gehört man vielleicht bald zu den 'Anspruchsvollen', die doch eigentlich Verblendete sind. Für den Narzissten ist Liebe eine Belohnungskategorie, eine Art Zertifikat über den eigenen Statuswert. Der Partner ist hier nur sie Verlängerung des eigenen Ichs, eine Art Prothese oder Selfie-Stick für die Widerspiegelung der eigenen Grossartigkeit. Eine Umfrage unter 10 000 Mitgliedern einer Online-Partnervermittlung für 'Akademiker und Singles mit Niveau' förderte als häufigsten Grund fürs Alleinsein die Antwort zutage: 'Weil ich so anspruchsvoll bin.'"

Quelle: http://www.nzz.ch/meinung/kolumnen/ich-liebe-mich-pardon-dich-ld.422

Rainer Stadler: Rekordmutter nur bei RTL

"Die Hintergründe des Informationspakts sind nicht bekannt. Abgesehen von allenfalls finanziellen Vorteilen bietet eine exklusive Vereinbarung der nun 17-fachen Mutter die Möglichkeit, mediale Erregungen zu kanalisieren. Aufmerksamkeit hätte sie, die bereits vor zehn Jahren mit der Geburt eines weiteren Kinds als 55-Jährige im Rampenlicht stand, ohnehin auf sich gezogen. Da nun RTL über sie wacht, kann sie sich Mediensprecher, Rechtsanwälte oder sonstige Agenten zur Vertreibung aufdringlicher Späher ersparen. Der Ausschluss von Konkurrenz bringt zudem etwas Ruhe in den Informationsverwertungsprozess. Es herrscht weniger Druck, die Geschichte zu überdrehen, um zusätzliche Aufmerksamkeit zu erregen. Entsprechend zivil verlief denn auch der Hausbesuch, über den RTL vor einem Monat berichtete. Die Rekordmutter tritt recht abgeklärt auf. Sie pocht aufs Recht auf Selbstbestimmung; sie fordert, man solle andern bei ihren Entscheidungen nicht dreinreden, und nimmt die Fortschritte der Medizin für sich in Anspruch. Ihren Kritikern macht sie es gar nicht so einfach. Präsentiert wird sie - wie üblich - zwischen Werbespots. Klar, Medien müssen Geld verdienen. Dennoch irritiert diese Kommunikationspraxis bei speziellen Ereignissen immer noch. Aber inzwischen werden selbst Hinrichtungs-Videos des IS mit Werbespots versehen.

Quelle: http://www.nzz.ch/meinung/blogs/medienblog/546/2015/05/26/rekord-mutter-nur-bei-rtl